Historie

Entwicklung des Schützenwesens

Das Schützenwesen hat eine jahrhundertealte Tradition. In der näheren und weiteren Umgebung gibt es Vereine, die auf viele Jahrhunderte des Vereinslebens zurückblicken können. Die Geschichtsschreiber haben glaubhaft festgehalten, dass schon unmittelbar nach Eroberung der sächsischen Sigiburg durch Truppen des Frankenkönigs Karl feste Versorgungslager im Tal der Ruhr und am Hellweg aus bereits bestehenden Ansiedlungen gemacht wurden. Da ist die Rede von einer großen Lichtung im Ardeywald, um die sich Höfe gruppierten und so zu einer Schutzgemeinschaft wurden.

Seit dem Jahr 1028 sind in diesen Schutzgemeinschaften Schützenübungen bekannt, weil damals Schützen den Vertretern Heinrichs III. auf den Ruhrwiesen ihre Fähigkeit im Bogenschießen und Lanzenstechen vorzuführen hatten.

In Hörde waren schon im Mittelalter die Schützen in der Gilde organisiert. Die Aufgabe war die Verteidigung der Stadt im Notfall. Mit Armbrüsten waren die Schützen bewaffnet. Die Hörder Schützengilde besaß ein wichtiges Vorrecht: Nach den Statuten von 1729 wurden aus dem Kreis der Mitglieder der Schützengilde die Ministerialpersonen gewählt. Keiner konnte in den Rat gewählt werden oder Bürgermeister werden, wenn er nicht Mitglied der Schützengilde war. Schützen in der damaligen Zeit unterlagen besonderen Pflichten.

Als einzige Bürger-Vereinigung hat sich die Hörder Bürger-Schützen-Gilde seit dem Mittelalter erhalten.

Aktie

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Geschichte der Hörder Bürger-Schützen-Gilde

Jahr Ereignis
1340 Am 15. August 1340 gründet Graf Konrad von der Mark die „Alte Schützencompagnie zu Hörde“. Sie erhält Privilegien und Grundbesitz an der Gildenstraße.
1388-89 Während der Dortmunder Fehde verteidigen Hörder Schützen die Burg zu Hörde erfolgreich gegen die Dortmunder Angriffe.
1427 Beistand im Bruderkrieg des märkischen Grafen Adolf und seinem Bruder Gerhard.
1465 25 Hörder Schützen waren anlässlich einer Feier des Herzogs von Kleve als Schutz anwesend.
1481 Die Gilde stand bei einem Besuch des Herzogs Johann von Kleve im Hause Hermann von Wickede Wache.
1486 Verbrüderungsfest der Hörder Bürger-Schützen Gilde mit der Dortmunder Schützencompagnie.
1573 Schützen der alten Schützencompagnie Hörde traten beim Besuch des Herzogs von Kleve an.
1596 Straffe Organisation als Vereinigung mit voller Rechtsfähigkeit.
1599 Aufteilung in junge und alte Schützen: Kennzeichen der jungen Schützen ist die Armbrust Kennzeichen der alten Schützen ist der silberne Vogel. Die Gilde besaß ein „prall gefülltes Geldsäckel“ und umfangreiche Ländereien in Dortmund.
1646 Anschaffung von Gewehren.
1650 Bis 1650 Bewachung der Dortmunder Stadtmauer.
1698 Neue Exekutive Aufgaben für die Gilde: Hörder Schützen griffen ein, weil die Lutheraner ein Begräbnis der Reformierten störten.
1720 Hauptmann Vette wird von den jungen Schützen gewählt. Seine Amtszeit beträgt 40 Jahre.
1729 Strenge Regeln zur Aufnahme in die Gilde: „In diese Compagnie wird niemand aufgenommen, er sey denn von gutem Namen und Herkommen, auch ein Bürger, der vorher in der Jungschützencompanie hier selbst gewesen oder sich damit abgefunden, weil von alters her aus dieser alten Schützencompagnie die Magistratspersonen erwählt und genommen, als erste alten Schützen werden müssen, ehe sie in den Magistrat genommen sind.“ (Magistrat: städtische Amtsträger).
1730 Die Gilde verpachtete Land, dafür musste „ein Funder Mist“ in Vereinsvermögen gebracht werden. Außerdem: Scheibenschießen am Remberg mit Schützenfest.

1742 Unterwerfung von Gerhard Wennemar (Bergwerksbesitzer in Witten), der sich der preußischen Bergbau- und Wirtschaftspolitik nicht unterwerfen wollte. 40 Hörder Schützen besetzen die Gruben, pfändeten die vorgefundenen Gerätschaften und verschlossen die Förderstellen. Außerdem: Erstes bekanntes Vogelschießen.

1757 Die Gilde spendeten 142 Reichstaler zur Versorgung der Truppen während des Siebenjährigen Krieges. Die Gilde half der klammen Stadtkasse der Stadt Hörde aus.

1756-63 Während des siebenjährigen Krieges wird am 26. Juli 1762 ein Schützenfest gefeiert.

1789 Die Gilde transportiert Feuerlöschgeräte zur großen Brandstelle.

1806 Vogel- und Scheibenschießen wurden von der napoleonischen Besatzung verboten.

1809 Die Gilde marschierte beim Präfekten des Ruhr-Departementes Freiherr von Romberg auf.

1813 Die Gilde half der Stadtkasse mit einem Kredit von 100 Reichstalern um die Einquartierung von Truppen zu stemmen.

1817 Nach der Befreiung von der französischen Herrschaft wird den Schützen das Vogel -und Scheibenschießen wieder erlaubt.
1825 Die Mitgliedschaft in der Gilde wurde zum Statussymbol: Richter, Bürgermeister, Doktoren, Ratsherren, Geschäftsleute und Fabrikanten begehrten Aufnahme in die Gilde.

1845 Die Beliebtheit der Schützenfeste der Gilde führte zu folgendem Erlass der königlichen Regierung: „Bei vielen Schützengesellschaften besteht die Einrichtung, dass den Teilnehmern bei den Festen das Getränk auf Kosten der Vereinskasse verabreicht wird. Erfahrungsgemäß wird dadurch Unmäßigkeit und Völlerei herbeigeführt. Ew. Hochwohlgeboren wollen darauf dringen, dass dergleichen Einrichtung abgestellt wird.“.

1851 Die Gilde beschloss, Juden als gleichberechtigte Mitglieder aufzunehmen.

1855 Ein Teil des Schützenlandes wird zum Bau der Eisenbahnstrecke Dortmund-Soest enteignet.

1880 Spende der Gilde zur Einrichtung eines Kriegerdenkmals.

1902 Die Hörder Bürger-Schützen-Gilde wird gerichtlich eingetragen.

1904 Die Hörder Gilde tritt dem „Westfälischen Schützenbund“ (WSB) bei.

1908 In 2. Instanz wird der Verein wegen Vergehens gegen das Vereinsgesetz freigesprochen. Bei einem Aufmarsch konnten die Schützen den polizeilichen Erlaubnisschein nicht vorzeigen.
1909 Anlässlich des Besuchs Kaiser Wilhelm II. begrüßt die Gilde den Kaiser auf der Hohensyburg.
1921 Kriegsbedingt konnte 1921 erst wieder ein Schützenfest stattfinden.

1922 Für 600 Goldmark wird das Grundstück an der Berghofer Straße in DO-Berghofen gekauft.

1928 Wir feiern ein Schützenfest mit Fahnenweihe.

1933 Alle Hörder Schützenvereine schließen sich der Hörder Bürger-Schützen-Gilde an. Seit diesem Zeitpunkt gibt es nur noch einen einzigen Schützenverein.
1940 Zerstörung des Schießstandes.

1951 Einweihung des neuen Schießstandes. Erster deutscher Kleinkaliberstand, erster deutscher Schießwettkampf nach dem 2. Weltkrieg.

1952 Mit großem Umzug in Hörde wird die 600-Jahrfeier nachgeholt.

1960 Auf dem Grundstück in Berghofen wir ein Pistolenstand gebaut.

1970 Bau eines Luftgewehr-Standes auf dem Schießstand an der Berghofer Straße.

1990 Zur 650-Jahrfeier wird ein Schützenfest gefeiert.

2011 Umbau / Modernisierung des Kurzwaffenstandes.

2014-16 Ein langer „Frühjahrsputz“ beginnt. Die Gesellschaft ändert sich und gerade die Jugend verlagert ihre Interessen. Viele Traditionsvereine kämpfen mit dem Erhalt oder haben den Kampf nach hunderten, geschichtsträchtigen Jahren verloren. Bei den Hörder Schützen bricht man mit alten Strukturen und Gepflogenheiten. Jung und Alt gehen Hand in Hand. Die Internetseite wird überarbeitet, das Logo modernisiert und soziale Medien halten Einzug. Seit 2016, darf die Gilde auch eigene Waffensachkunde-Lehrgänge anbieten. An allen Ecken und Kanten wird gefeilt, die Gilde erfindet sich neu und erfreut sich stark wachsender Mitgliederzahlen.

Die Gilde heute

„In der jahrhundertelangen Tradition ist die Hörder Bürger-Schützen-Gilde von ihrer zweckgebundenen Funktion, über die Besetzung gesellschaftlicher Schlüsselpositionen im Stadtleben, zu einem namhaften modernen Schützenverein geworden“. Auch heute noch wird ehrenvoll von „der Gilde“ gesprochen.

Quellen größten Teils:
Langanke/Richter: Chronik der Hörder- Bürger-Schützen-Gilde
in: Hörde – Beiträge zur Stadtgeschichte, Herausgeber Högl/Schilp, Dortmund, 1990